Von und zu Bartenstein

Ein paar Impressionen aus Bartenstein in Hohenlohe

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Chronisch historisch

Hinweis: Dieser Artikel wurde überarbeitet. Das Warum und Weshalb kann man den letzten Kommentaren entnehmen.

Man muss sich etwas Zeit nehmen für das Kleinod Bartenstein. Der Reiz und die besondere Atmosphäre dieses Ortes erschließt sich einem nicht auf den ersten Blick. Leider existiert im Ort keinerlei touristisch-gastronomische Infrastruktur. Das einzige Cafe hat schon vor Jahren dicht gemacht. Der „Adler“, gegenüber vom Schloss, macht zwar einen relativ gepflegten Eindruck, scheint aber auch geschlossen zu haben. Und der „Löwen“ hat Mitte diesen Jahres dicht gemacht. Aus gesundheitlichen Gründen, wie man auf der Web-Seite des ehemaligen Gasthauses, das langsam vom Grün überwuchert wird, nachlesen kann.

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Herbstfeuer im Hofgarten

Auch die Übernachtungsmöglichkeiten sind dünn gesät, sehr dünn. Mit einem Wort: Es gibt keine. Selbst einen Postkartenständer sucht man hier vergeblich.

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Katzensteige

Bartenstein, das barocke Kleinod mit der dreiflügeligen Schloss-Anlage und der nach Süden ausgerichteten Häuserzeile entlang der Schloßstraße, das in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz steht, ist endgültig in einen Dornröschenschlaf gefallen. Dazu passt auch der Zustand des Hofgartens oberhalb der Schloßstraße – und von dieser durch eine hohe Stützmauer getrennt – der einen leicht verwilderten Eindruck macht. Was ich aber als eher positiv empfunden habe. Genauso wie für den Schloßvorplatz gilt auch hier: „Betreten verboten“. Allerdings stand das weit geöffnete, schmiedeeiserne  Tor an der Käppelesgasse in krassem Widerspruch zu diesem Verbot.

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Blick ins Tal

Wie bereits geschrieben, sollte man sich etwas Zeit nehmen für Bartenstein. Mit dem Auto durch Bartenstein zu fahren bringt wenig. Bartenstein muss man sich erlaufen, was ob der „Größe“ des Ortes nicht allzu schwer fällt. Man sollte einfach irgendwo parken und spazieren gehen. Ich war an einem Samstagnachmittag dort und was mir sofort auffiel, war die wohltuende Stille, die mich umfing wie ein wärmender Mantel. Sehr poetisch formuliert. Der blumengeschmückte Brunnen am kleinen Marktplatz plätscherte leise, drei Einheimische, die sich auf der Straße unterhielten. Ab und zu ein durchfahrendes Auto. Ansonsten – wohltuende Stille.

Lesenswert (und sehenswert) sind die Bartensteiner Haustafeln, die von Anne und Claus Reimann gestaltet wurden. Hier kann man in einer kurzen Zusammenfassung die teilweise sehr wechselvolle Geschichte der Häuser entlang der Schloßstraße nachlesen.

Natürlich ist das, was ich hier schreibe, nur mein subjektiver Eindruck. Entstanden an einem strahlenden Samstagnachmittag im Oktober des Jahres 2015.

Auf Wikivoyage kann man sich einen Überblick über den Bartensteiner Mikrokosmos verschaffen. Und das „Hohenloher Tageblatt“ berichtet über das Bartensteiner Brunnenfest, das im August 2015 zum 25. Mal gefeiert wurde. Und auch im Bartenstein.net findet sich dazu ein Brunnen-Artikel. Und wer tiefer einsteigen möchte in die Geschichte Bartensteins, dem sei das Buch „Bartenstein wie es früher war -Von Handwerkern, Hofräten und Lakaien“ von Anne und Claus Reimann empfohlen.

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Von und zu Hohenlohe-Bartenstein

Auch der Fürst Ferdinand zu Hohenlohe-Bartenstein, der sich immer noch standhaft weigert, sein Schloß der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, soll hier zu Wort kommen. Der Mann hat vernünftige Ansichten, z.B. zum Thema Windkraft, die man im schwäbischen „Tagblatt“ nachlesen kann. Hier ein Zitat:

Der Fürst aus dem 300-Seelen-Weiler Bartenstein (Kreis Schwäbisch Hall) ist überzeugt, dass den Ausstieg aus der Atomenergie „schlecht informierte Gutmenschen und ideologiegesteuerte Umweltretter“ eingeleitet haben.

Man mag ja von den Royals halten, was man will, aber wo er recht hat, hat er recht, der standhafte Herr Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein.

Und zum Schluss mein mich selber überraschendes Fazit: Bartenstein ist ein ganz wunderbarer Ort, ein barockes Kleinod und vielleicht einmalig in Deutschland. Die typische Hohenloher Nachlässigkeit, eine gewisse Unaufgeräumtheit, verleiht Bartenstein einen zusätzlichen Reiz. Und ich werde wiederkommen. Im August 2016 vielleicht, zum Brunnenfest. Oder auch einfach mal so. Aber bei aller Liebe, ein Wurstsalat und ein Bier … das sollte schon drin sein *smile*

Als ich das erste Mal in Bartenstein sein musste, da war ich 6 Jahre alt. Und ich erinnere mich noch an das Plumps-Klo im Hinterhof des väterlichen Elternhauses. Dieses „Erlebnis“ hat mein Verhältnis zu Bartenstein über Jahrzehnte hinweg geprägt. Und ich war in der Folgezeit immer froh, wenn die spärlichen Besuche im Hohenloher Kleinod wieder vorbei waren. Aber jetzt, jetzt ist alles anders. Hoffentlich bleibt es so.

Ach ja, da war noch was. Der Vater meines Vaters, also mein Großvater väterlicherseits, der war Feldschütz beim damaligen Fürsten. Ein ehrenwerter Beruf will ich mal hoffen.

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Äh … ja

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Diamanten sind des Mannes bester Freund … oder so.

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Die Adler-Leuchte oder der Letzte macht das Licht aus

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Unerlaubter Einblick? Erlaubter Einblick? Bestätigten Gerüchten zufolge handelt es sich um einen erlaubten Einblick.

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EIN Geheimrat muss sein

9 Kommentare

  1. Die Stille und die Abwesenheit von Touristen sind ein guter Grund Bartenstein einen Besuh abzustatten. Insebsondere, wo es ein so schöner Ort zu sein scheint.
    Ich behalte es im Hinterkopf, wenn ich mal wieder in der Gegend bin, zum Beispiel im nächsten August.
    Danke für den Hinweis!

    1. Vielleicht sieht man sich … wie auch immer ;-)

  2. Anonymous · · Antwort

    Wir haben gestern dem schönen kleinen Städtchen Bartenstein zum ersten (aber sicher nicht zum letzten) Mal einen Besuch abgestattet. Es ist wohl wahr, dass Bartenstein keine „Attraktionen“ zu bieten hat, aber es hat etwas zu bieten, das es so kaum noch zu finden gibt!
    Je länger man durch die wenigen Straßen schlendert, je ruhiger wird man. Man spürt die Geschichte und fühlt sich, als wäre man in diese Zeit zurückversetzt!
    Vorbei an schönen alten Häusern und einer einstmals sicher prächtigen Schlossanlage, konnten wir auf unserem Rundgang alte Landmaschinen bewundern, wie auch so viele andere liebevoll restaurierte und dekorierte Kleinigkeiten. Auch der wunderschöne Ausblick ins Hohenloher Land, den man vereinzelt zwischen den Häuschen erhaschen konnte, war beeindruckend.
    Zu guter Letzt trafen wir auf die Ortsvorsteherin von Bartenstein, die uns spontan zu einer kostenlosen Besichtigung des kleinen Museums im Riedbachtorturm einlud. Herzlichen Dank nochmal dafür und besonderen Dank dafür, dass es überhaupt noch so einen liebenswerten Ort gibt!

  3. C. Reimann · · Antwort

    Dass Bartenstein nichts zu bieten hat, stimmt nicht. Wir haben einen historischen Rundweg, der sehr informativ ist, sich sehen lassen kann und zahlreiche Nachahmer aus anderen Orten gefunden hat. Freundlicherweise hat der Autor immerhein einen Teil der Haupttafel und eine Haustafel abfotografiert. Also hat Bartenstein doch etwas zu bieten.

    1. Hallo Herr Reimann, sie haben meinen meinen Artikel (falls man das so nennen kann) nicht zu Ende gelesen :-)
      Sonst wäre Ihnen bestimmt aufgefallen, dass ich Bartenstein sehr positiv gegenüber stehe. Und die Bartensteiner Haustafeln finde ich sehr interessant und gut gelungen. Habe letzten Sonntag wieder mal das Kleinod besucht. War schön.

      PS: Haben Sie meinen Artikel über den Hofgarten auch gelesen?

      1. C.Reimann · · Antwort

        Hallo Herr Gunslinger, den Artikel habe ich bis zum Ende gelesen. Wenn allerdings als Eingangsstatement mehrfach festgestellt wird, dass unser Ort nichts zu bieten hat, erübrigt sich eigentlich das Weiterlesen. Wir haben uns mit der Aufarbeitung und Darstellung der historischen Vergangenheit von Bartenstein viel Mühe gegeben und dies stellte ich durch den Beitrag nochmals besonders heraus.

        1. Hallo Herr Reimann, ich habe den Artikel überarbeitet. Schließlich will ich nicht riskieren, mit einem Einreiseverbot belegt zu werden :-)

          Anmerken möchte ich allerdings, dass ein Blog ein öffentlich einsehbares Tagebuch ist, in das man seine Gedanken und Eindrücke reinschreibt. Aber da es mir fern liegt, Bartenstein schlecht zu machen (ganz im Gegenteil) habe ich die – zugegeben – unglücklichen Formulierungen ersetzt.

          1. C. Reimann · ·

            Hallo Herr Gunslinger, dass sie jetzt den Text überarbeiten, war eigentlich nicht der Hintergrund meines Beitrages. Aber wenn Sie schon bei Änderungen sind, können Sie, wenn Sie wollen, den „unerlaubten Einblick“ in „erlaubten Einblick“ umbenennen. Zur Freude und Erbauung der Ortsbesucher, wurden an diesen Fenstern keine Vorhänge angebracht. Falls Sie Einzelheiten wissen wollen, bitte über meine e-mail Adresse.

  4. Monika Kolar · · Antwort

    Sehr geehrter Herr Gunslinger,

    vor einem halben Jahr habe ich Ihren Blog entdeckt und über Ihre sensiblen Einsichten und die ins Schwarze getroffenen Fotos gestaunt. Der damalige Versuch einer Kontaktaufnahme hat irgendwie nicht geklappt. Nun gelingt es vielleicht über diesen Kommentar.
    Vor 8 Jahren zugezogen wohne ich an der „Katzensteige“ in dem ehemaligen Hofgärtnerhaus. Die schwarze Katze auf dem Suchbild ist meine und heißt Clea.
    Die Stille in Bartenstein ist außergewöhnlich, eine Wohltat für eine Musikerin, die aus der Großstadt geflüchtet ist.
    Wenn Sie Bartenstein erleben wollen, so etwas los ist, kommen Sie einmal zu einer meiner Veranstaltungen in meinen Roten Salon im Pianoforte am Park. Die nächste findet am 27.1.2017 statt, zu Mozarts Geburtstag:
    https://www.stadt-schrozberg.de/index.php
    Bitte runterscrollen bis Kurios!
    Abgesehen von dieser Gelegenheit wäre es mir eine Freude, wenn Sie anlässlich einer Ihrer Bartensteiniaden bei mir klingelten. Sofern ich da bin, nehme ich mir gerne Zeit für einen Gedankenaustausch.

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