Sittin‘ in the La La

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Frisch gepresst

Gendermäßig sind die skandinavischen Länder schon lange Spitzenreiter. Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland … und wie sie alle heißen. Wie groß der Gender-Vorsprung (Achtung, Kopf einziehen, Verletzungsgefahr) zum Beispiel in Schweden, dem Land der Schären und der blonden Schwedinnen ist, sieht man an „hen„. Das ist ein neues, zusätzliches Personalpronomen, das es Menschen in Schweden ermöglicht, sich geschlechtsneutral anzusprechen.

Feine Sache, könnte man meinen. So auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick könnte ich mich fragen, warum das sein muss? Denn Menschen – auch in Schweden – sind nun mal nicht geschlechtsneutral. Das ist jetzt natürlich nur die Meinung eines langweiligen Heteros, der sein Leben lang immer nur Mann war. Und auch nie das Bedürfnis hatte, mal eine andere Geschlechts-Identität auszuprobieren. Nach Gender wäre das möglich meint Judith Butler. Die muss es wissen. Wer wenn nicht J.B. Aber egal.

Zusätzlich zu „han“ (er) und „hon“ (sie) dürfen die Schweden also jetzt auch noch „hen“ verwenden. Selbstverständlich wurden auch die konjungierten Formen „hens“ für den Genitiv und „henom“ für die Objektform berücksichtigt.

Ich häng‘ jetzt mal zwei Artikel angesehener deutscher Online-Medien hier rein, damit man weiß, was Sache ist. Unter dem Titel „Schwedens „Mappas“ und „Pammas““ beschäftigte sich bereits im März 2012 die „Süddeutsche Zeitung“ mit diesem Thema (zum Artikel). Aktueller, aber nicht minder lesenswert ist der Artikel „Björn, Anni-Frid und „Hen““ in der FAZ vom Juli 2014 (zum Artikel).

Und jetzt kommt’s: Wer geglaubt hat, in Deutschland hätte sich noch niemand Gedanken zu diesem Thema gemacht, der irrt. Ja, der irrt sogar gewaltig. Die „Mädchenmannschaft“ (wieso heißen die eigentlich nicht „Frauenmannschaft“? Oder fallen die noch unter das Jugendschutzgesetz? Das würde manches erklären. Aber nicht alles), die „Mädchenmannschaft“ also hat sich bereits erhebliche, um nicht zu sagen systemrelevante Gedanken, zum deutschen „hen“ gemacht (zum Artikel). Sehr  lesenswert – vor allem der Artikel.

Mal ganz im Vertrauen: Das ist keine Satire oder sowas ähnliches. Das ist ernst gemeint, oder? Ich glaube schon. Doch, es scheint so …

Noch kurz ein Wort zu dem Konstrukt „gendermäßig„, welches ich zu Beginn (oder am Anfang) dieses Artikels verschwendet habe: Darin enthalten ist für mich alles was mit Gender zu tun hat. Also die Gender-Theorie, das Gender-Mainstreaming und die Gender-Perspektive. Da tue ich mich einfach leichter beim Schreiben.

Und noch kurz ein Wort zu „Schären“: Das hat nichts mit „teilen“ (to schär, schären) zu tun. Schären sind einfach nur kleine Inselchen – Schären eben.

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