Gleichstellung: Von der positiven Diskriminierung der Bauarbeiter

Neulich ist mir der Gleichstellungs-Atlas vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in die Hände gefallen. Natürlich nicht einfach so – nein. Es gab einen Anlass, um nicht zu sagen einen Anlasser. Eine Frau natürlich. Das war ja klar, oder? Was sonst könnte einen Mann dazu bringen, sich mit dem Gleichstellungs-Atlas zu beschäftigen als eine Frau. Sie heißt Jutta Allmendinger und ich sah sie in einem Magazin. Nein, nicht im Playboy. Den lese ich sowieso nicht. Zu teuer. Ich sah Jutta Allmendinger im Polit-Magazin „Kontraste“. Im Mittelteil der Sendung, im Centerfold. Mit sehr hoch erhobenem Kopf und schwingendem Rock schwebte sie eine geschwungene Treppe herab – leichtfüßig, elegant, selbstbewusst.

Frau Allmendinger redete dann über Eizellen und Gleichstellung(en). Mein Interesse stieg ins Unermessliche. Aber es ging nur um Social Freezing und es war auch kein Vollmond. Es sei toll. Frauen müssten nun nicht mehr auf irgendwelche Quoten-Regelungen hoffen. Frauen könnten jetzt endlich sofort und Vollzeit in die Arbeitswelt einsteigen und Karriere machen. Kinder? – Später. Vielleicht.

Gebannt hing ich an Jutta Allmendingers Lippen und lauschte aufmerksam. Und durch ihre großen rehbraunen Augen hindurch sah ich direkt in ihre Seele. Und sah individuelle Schönheit und – Feminismus. Nicht unbedingt ein Widerspruch. Trotzdem ließ mein Interesse deutlich nach.

Aber Scherz beiseite. Ich habe dann einfach mal nach „Gleichstellung Statistik Bauarbeiter“ gegoogelt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Ja, und dann stieß ich auf den Gleichstellungs-Atlas von 2012 / 2013 (Link zum Atlas).

Ich zitiere mal aus der Einleitung weil mir da gerade ein pikantes Detail aufgefallen ist:

… Frauen finden sich seltener in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, sie werden schlechter bezahlt, arbeiten häufiger in Teilzeit und leisten den Löwenanteil an Sorgearbeit. Gleichzeitig ergreifen Männer Berufe wie Erzieher und Grundschullehrer seltener und haben eine deutlich kürzere Lebenserwartung als Frauen. …

Hä? Was hat die Lebenserwartung von Männern in der Einleitung dieser Publikation zu suchen. Was soll mir das sagen? Dass Frauen die besseren Arbeitskräfte sind, weil sie länger leben? Aber egal …

Meine Suche nach einer Gleichstellungs-Statistik von Bauarbeitern in Deutschland im Gleichstellungs-Atlas war leider erfolglos. Welch bittere Pille. Aber ich gebe zu, ich hatte es auch nicht erwartet. Stattdessen findet man dort sehr schöne Grafiken über die Partizipation (Teilhabe) von Frauen in den folgenden üblichen Berufen:

  • Mandate von Frauen in den Landesparlamenten
  • Mandate von Frauen in den Kreistagen der Landkreise und den Gemeinderäten der Stadtkreise bzw. kreisfreien Städte
  • Regierungschefinnen/Regierungschefs, Ministerinnen/Minister bzw. Senatorinnen/Senatoren in den Ländern
  • Staatssekretärinnen/-sekretäre, Staatsrätinnen/-räte, Ministerialdirektorinnen/-direktoren in den Ländern
  • Verwaltungsspitzen in den Landkreisen und Stadtkreisen bzw. kreisfreien Städten in den Flächenländern sowie in den Bezirken der Stadtstaaten
  • Führungspositionen in den obersten Landesbehörden
  • Hochschulprofessuren
  • Juniorprofessuren
  • Führungspositionen in der Privatwirtschaft, oberste Ebene
  • Führungspositionen in der Privatwirtschaft, zweite Ebene

Ich weiß jetzt, dass ich die Sache mit der Gleichstellung grundlegend falsch verstanden habe. Denn eigentlich geht es gar nicht um Gleichstellung und gleichen Lohn für gleiche Arbeit in den üblichen Berufen. Alles nur bla … Nein, es geht bei der Gleichstellung von Frauen um die Teilhabe an der Macht. Und um nix anderes. Die Erkenntnis ist wahrscheinlich so neu auch nicht.

Genau so steht es auch in aller Deutlichkeit im Gleichstellungs-Atlas:

Einer der am häufigsten in der Öffentlichkeit verwendeten Gradmesse für die Gleichstellung ist die Repräsentanz von Frauen und Männern in Führungspositionen und Entscheidungsfunktionen. Dies gilt für die Mitwirkung am Entscheidungsprozess auf allen Ebenen des politischen,wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens.

Ja, ich glaube das sollte man ruhig mal ein bisschen länger auf sich einwirken lassen. Weil es so schön ist. Und weil Macht sexy macht.

Und was hat das jetzt alles mit der Überschrift von diesem Blog-Post zu tun? Ganz einfach. Von positiver Diskriminierung (man muss es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen) im Zusammenhang mit Gleichstellung spricht man, wenn

  • eine Frau eingestellt wird, obwohl ein Mann die bessere Qualifikation hat
  • ein Mann eingestellt wird, obwohl eine Frau die bessere Qualifikation hat (kommt eher selten vor)

Die Bauarbeiter haben Glück. Sie müssen nicht befürchten positiv diskriminiert zu werden. Obwohl ich es durchaus reizvoll fände … im Sommer bei 30 Grad … mit nacktem Oberkörper … schwitzend und mit Flasch‘ Bier in der Hand … eine Bauarbeiterin. Irgendwo in Deutschland.

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