Siegmar Gabriel, Greenpeace, Ökopopulismus, Kohleausstieg und der Harz

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Irgendwo in Deutschland – Wir basteln ein Windrad

Mit Greenpeace ist das ja so eine Sache. Was mal klein angefangen hat, ist über die Jahre größer und größer geworden. Einst von Friedensaktivisten 1971 in Vancouver, Kanada, gegründet, hat die Non-Profit-Organisation inzwischen allein in Deutschland fast 700.000 Fördermitglieder( weltweit 3 Millionen). Weltweit beschäftigt Greenpeace 2400 Mitarbeiter in 40 Länderbüros (Stand 2012). Greenpeace ist zu einer Institution geworden – das gute Gewissen dieser Welt.

Vieles von dem was Greenpeace gemacht hat, war gut und nötig. Aber am Sinn (und am Verstand) mancher Aktionen kann man durchaus zweifeln. Aber 3 Millionen Fördermitglieder wollen natürlich „Erfolge“ sehen. Wer gibt schon sein Geld nur damit 2400 angestellte Greenpeace-ler ein gesichertes  Auskommen haben.

Was Greenpeace gestern bei einem Vortrag von Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel auf einem Kongress der Deutschen Energieagentur (Dena) „aufgeführt“ hat, gehört für mich eindeutig in die Kategorie „Ohne Sinn und Verstand“. Greenpeace-Aktivisten stürmen die Bühne mit dem Rednerpult und entrollen Plakate mit der Aufschrift „Herr Gabriel Klimaschutz braucht Kohleausstieg“. Die Welt berichtet unter dem Titel „Gabriel geißelt Ökopopulismus“ darüber. Gabriel nahm es gelassen und fegte die Aktivisten in einer halbstündigen Rede quasi von der Bühne. Sehr schön.

Ich denke mir, bevor man den Kohleausstieg propagiert, sollte man sich zumindest minimale Gedanken darüber machen, was nach einem Kohleausstieg passieren würde.

Ökostrom hat inzwischen einen Anteil von Circa 25% an der gesamten Stromproduktion. Aber diese 25% – das ist die Jahresproduktion an Ökostrom. Das ist die Gesamtsumme an Strom an sonnenreichen-, sonnenarmen-, windstarken-, windschwachen Tagen (plus Wasser und Biomasse). Im Jahre 2014 werden es circa 160 Milliarden Kilowattstunden sein. Soviel haben die Erneuerbaren an insgesamt 360 Tagen produziert.

Klar kann man jetzt hergehen und die 160 Milliarden Kilowattstunden einfach durch 360 dividieren. Könnte man machen. Das Ergebnis wäre allerdings grottenfalsch. Nein, das Ergebnis der Division wäre natürlich richtig. Falsch wäre aber der Rückschluss, den man aus dem Ergebnis ziehen könnte: Das an jedem Tag im Jahr eine konstante Menge Ökostrom zur Verfügung steht. Aber das ist der Knackpunkt bei der ganzen Debatte um die Energiewende und den Atom- und Kohleausstieg: Die Versogungssicherheit; die bedarfsgerechte Bereitstellung von Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und diese Versorgungssicherheit bietet Strom aus Wind und Sonne genau nicht. Ohne großtechnische Speicherung von Ökostrom ist die Energiewende zum Scheitern verurteil.

Und das sollte Greenpeace eigentlich wissen. Das würde ich vom „Guten Gewissen dieser Welt“ einfach erwarten. Aber mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Jeder hat seine eigene Wahrheit – die Wahrheit ist eine Variable. Und in Zeiten des Internet gilt das mehr als je zuvor. Bin ich froh, dass ich „vor dem Internet“ geboren wurde. Damals war einfach alles besser *Scherz*

Ja und jetzt?

Jetzt wenden wir uns der Website „Agora Energiewende“ zu. Denn dort kann man einen Kohleausstieg simulieren. Dort präsentiert uns das Agorameter ansprechend aufbereitet den alltäglichen Wahnsinn der Energiewende. Anbei zwei Bildschirmabzüge von heute. Die sprechen für sich. Bitte nicht lachen, denn es ist zum Weinen. Und da fordert Greenpeace (und nicht nur die) einen Kohleausstieg. Muhaha …

Mit konventionellen Kraftwerken …

Agora_Gesamt

Einmal mit den konventionellen Kraftwerken

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Ohne konventionelle Kraftwerke …

Agora_ohne_Konv

Und einmal ohne die konventionellen Kraftwerke. Die weiße Fläche zwischen der Stromverbrauchslinie oben und dem bunten Ökostrom unten – das ist die fehlende Versorgungssicherheit

ein Kommentar

  1. Sehr schöner Artikel Gunslinger. Hat mir jetzt echt gefallen. Man sollte öfters mal seine eigenen Artikel lesen :-)

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