Rettet die Malediven – baut Luxus-Villen

Da bin ich doch heute beim Abendessen fast vom Hocker gefallen. Ich aß und las und dachte an nichts Böses – und schlug die Zeitung auf. Es handelte sich übrigens um die FLZ, die „Fränkische Landeszeitung“, das „Pflichtblatt“ des Landkreises Ansbach.

AmitW

Autobahn garniert mit Windpark (Foto by Gunslinger’s Wilder Süden)

Auf Seite 1  lese ich die Nachricht von einem Zug der aus den Schienen sprang, einen Bericht über einen traditionellen Ostermarkt und die erfreuliche Nachricht, dass die Erderwärmung zu bremsen sei. Schön.

Das Klima ist gerade wieder sehr aktuell. Schuld daran ist der Weltklimarat, der in lockerer Folge Teil 1 bis 3 des neuesten Sachstandsberichts zum Thema Klimawandel veröffentlicht. Ja, denke ich mir, lasst es uns tun, bremsen wir den Klimawandel. Wir schaffen das, sagte schon Bob der Baumeister und verschwand in seiner Mixi.

Und dann auf Seite 3 der Oberhammer. Ein halbseidener halbseitiger Artikel mit der Überschrift „Künstliche Inseln sollen die Malediven retten“.

Mit den Malediven ist das ja so eine Sache. Weil die nämlich nur ganz knapp über dem Meeresspiegel liegen. Genau so wie Tuvalu, der kleine Inselstaat im stillen Ozean. Das erste Mal versank Tuvalu übrigens im Jahre 2001 im Ozean. Wie sich herausstellte handelte es sich bei dieser Meldung um eine klassische Zeitung-Ente. Weitere Untergänge sollten folgen. Inzwischen ist es still geworden um Tuvalu. Aber nicht weil Tuvalu tatsächlich im Meer versunken ist, sondern weil das Thema „Tuvalu“ inzwischen einfach ausgeluscht ist.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Deshalb an dieser Stelle ein Zitat aus Wikipedia zum Thema Tuvalu:

„Auswertungen von Satellitenbildern zufolge wurden die Inseln bzw. die zugehörigen Korallenriffe in den letzten 60 Jahren größer. Demnach wird das Ansteigen des Meeresspiegels derzeit durch Anspülungen und Sedimentierung mehr als ausgeglichen, obwohl für den zunehmenden Straßen- und Hochbau einige Strände als Sandgruben genutzt werden.“ (Quelle: Wikipedia)

Und jetzt also die Malediven. Extrem gefährdet. Vor allem durch Tourismus und Überbevölkerung und Müll. Und den Meeresspiegel – natürlich. Aber man weiß sich dort zu helfen. So steht’s auch in dem Artikel auf der 3. Seiten von der FLZ. So wird auf den Malediven mindestens ein schwimmendes Luxus-Hotel entstehen. Und die Ozean-Blume. Die Ozean-Blume, das sind 185 Luxus-Villen, die an geschwungenen Stegen in Form eine Blüte, aufgereiht sind. 40 Villen wurden bereits verkauft – an Klimaflüchlinge.

Auch in den schwimmenden Hotels werden demnächst die maledivischen Klimaflüchlinge einziehen und den Sonnenuntergang über den untergegangenen Inselchen bewundern. Und Dieter Bohlen wird auf dem Bohlenwegsteg wandeln, neue Songs kreieren und über DSDS nachdenken. Oder auf dem schwimmenden Golfplatz (ja, auch daran wurde gedacht) einlochen.

Die FLZ kann eigentlich gar nichts für diesen, gelinde gesagt, Mist der in diesem Artikel verzapft wird. Aber gekauft und gedruckt hat ihn die FLZ. Damit ich das dann lesen muss. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe selten so gelacht. Ich dachte schon, hier schreibt der Postillon. Aber es waren nur die Salzburger Nachrichten.

 

 

2 Kommentare

  1. Tourismusmanager bringen alles zustande.

    1. Der Zweck heiligt die Mittel.

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