Hitler nicht mehr Ehrenbürger von Bayreuth


Heute morgen
überflog ich die Zeitung von gestern und blieb an einer Randnotiz hängen: Nach 68 Jahren hat die Stadt Bayreuth Adolf Hitler „explizit“ die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Ich stutzte und dachte so bei mir: „Hä???“ Ich habe dann die Randnotiz zweimal gelesen. Aus Sicherheitsgründen. Weil ohne Brille lese ich manchmal etwas, was da so gar nicht steht. Neulich las ich zum Beispiel: „Papst testet neue Packetbriefkästen“. Richtig muss es natürlich heißen: „Post testet neue Packetbriefkästen“.

Aber zurück nach Bayreuth und auf den „Grünen Hügel“. Ja, es ist tatsächlich so, dass der Stadtrat von Bayreuth sich „von den verliehenen Ehrenbürgerechten an Repräsentanten, Ideologen und Verfechter des Nationalsozialismus … distanziert.“ Und zwar explizit! Explizit bedeutet „eindeutig, ausdrücklich, klar“. Na immerhin. Und das nach 68 Jahren. Aber lieber spät als nie.

Zur Ehrenrettung (hahaha …) der Stadt Bayreuth muss ich allerdings erwähnen, dass sich der Stadtrat bereits im Jahre 1988 von der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Adolf Hitler schonmal „distanziert“ hatte. Sich distanzieren bedeutet meines Wissens soviel wie „Abstand nehmen, auf Abstand gehen“. Aber es kommt natürlich darauf an, wie groß der Abstand zu einer Sache ist. Wenn ich ganz weit weg bin von einer Sache, dann sehe ich vielleicht nicht mal mehr die Umrisse. Bin ich näher dran … Drum finde ich es gut, dass Bayreuth endlich eindeutig, ausdrücklich und klar auf Abstand zu Adolf Hitler gegangen ist. Punkt.

Vor Jahren war ich übrigens selber mal in Bayreuth. Das erste und bisher einzige Mal in meinem Leben. Ich habe bei der Gelegenheit auch den „Grünen Hügel“ mit dem Richard-Wagner-Festspielhaus besucht. Damals war ein Teil des Gebäudes eingerüstet. Die Fassade bröckelte. Kein Wunder bei dem Krach der dort alljährlich veranstaltet wird. Ja, und auf dem Gerüst turnten italiensche Gastarbeitet herum und trällerten italiensche Arien. So muss das sein, dachte ich damals. Passt wie die Faust auf’s Auge.

Ich habe mich jetzt mal schlau gemacht. Habe mal bei Wikipedia nachgeschlagen. Mich über Richard Wagner und Hitler informiert. Ich hätte es bleiben lassen sollen. Wirklich. Man liest so allerlei merkwürdige Dinge auf der Reise in die Vergangenheit. Zum Beispiel, dass Wagner eindeutig Antisemitisch angehaucht war, dass Wagner großen Einfluss auf den englischen Schriftsteller und Rassentheoretiker Houston Steward Chamberlain hatte (der war übrigens auch bis vorgestern Ehrenbürger von Bayreuth), dass Chamberlain Wagners 2. Tochter Eva heiratete, und dass das Werk von H.S. Chamberlain Adolf Hitler als „Vorlage“ diente für seine Verbrechen an der Menschheit und an der Menschlichkeit.

Auch dass Wagner Hitler’s Leib und Magen Komponist war, habe ich erfahren. Aber das wusste ich schon. Immerhin.

ein Kommentar

  1. Wer weiß, warum die Wagner-Festspiele in der Gesellschaft so beliebt sind, samt den Feuilletons.

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