Truck-Stop wider Willen

Crazy trucker
von Jc0709 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Heute auf der Heimfahrt. Autobahn. Ein dicker Sattelzug hängt im Böschungs-Graben. Die Zugmaschine steht im 45 Grad-Winkel zum Trailer. Es ist nichts weiter passiert. Aber aus eigener Kraft kommt der da nicht mehr raus. Ich fahre vorbei und denke „So ein Depp. Wahrscheinlich eingeschlafen. Hätte übel ausgehen können.“

Dann überlege ich mir wie die Story wohl weitergehen wird. Auf jeden Fall wird es eine Weile dauern bis die Kiste wieder flott ist. Ob der Sattelzug dann einfach weiterfahren kann? Kommt drauf an, denke ich. Kommt drauf an ob die Achsen einen Schaden haben oder nicht. Oder ob sonst irgendwas beschädigt ist.

Auf jeden Fall wird sich der Ankunftstermin erheblich verzögern. Alles wird sich verzögern. Just-in-time ade. Produktions-Stillstand.

Der Kunde, der Auftraggeber für diese Fahrt des Sattelzuges, wird Schadensersatz von der Spedition fordern. Gut, die Spedition ist bestimmt versichert. Aber wird der Fahrer des Truck Probleme mit seinem Arbeitgeber bekommen? Wird ihn sein Arbeitgeber feuern? Ich kann es mir lebhaft vorstellen: „Du Idiot, wieso passt du nicht auf? Wieso bist du eingeschlafen? Weißt du, was mich das kostet? Wie lange machst du den Job schon. Du weißt doch, wie man sich wach hält. Hol dir deine Papiere. Du bist gefeuert.“

Übel. So kurz vor Weihnachten. Und der Urlaub für 2014 sollte auch bald gebucht werden. Frühbucher-Rabatt. Wie soll der Trucker das seiner Frau, seiner Familie beibringen? Wenn es dumm läuft, läuft es auf Scheidung hinaus. Tja …

Hätte er mal besser aufgepasst. Der übermüdete Trucker. Hätte er mal besser rechtzeitig einen Truck-Stop eingelegt.

Doch in Wahrheit ist dieser arme Trucker nur ein weiteres Ofer, ein Victim, eines unmenschlichen Systems. Und Übermüdung ist eine logische Folge davon. Und auch die Übermüdungs-Unfälle sind nur eine logische Folge dieses unmenschlichen Systems. Und die abgefahrenen Reifen, die überladenen LKW’s, zu kurze Ruhezeiten, nicht eingehaltene Ruhezeiten, gar keine Ruhezeiten, Sommerreifen im Winter, Preis-Dumping … Alles ganz normal. Kein Grund zur Besorgnis. Wirklich nicht. Ruhig, ruhig.

Schuld ist also der Arbeitgeber, die Spedition, die Disposition? Nein, natürlich nicht!

Aber wer ist dann schuld? Einer muss doch schließlich schuld sein?

Fragen wir den lieben Gott. Der wird es wissen.

2 Antworten auf “Truck-Stop wider Willen”

  1. Mitschuldig ist oft „Geiz ist geil“ und jede Bestellung muss unmittelbar in unseren Händen landen.

    Ich weiß nicht, warum wir uns die Welt so hektisch gestalten müssen.

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