Ein rätselhaftes Märchen aus dem Harz

Es war einmal eine Gleichstellungs-Beauftragte in der wunderschönen Stadt Goslar im Harz. Sie hieß Monnika, hatte braune Haare, große Augen und ein kräftiges Gebiß. Wie es sich für eine Feministin von echtem Schrot und Korn gehört, organisierte Monnika Frauenfrühstücke, gründete Frauenkreise und kümmerte sich rührend um die Belange der benachteiligten Goslarer Frauen. Ihre Lesungen aus der Fibel von Alice Schwarzer im großen Saal der Goslarer Kaiserpfalz waren bald so bekannt wie die Tagesschau in der ARD. Und wenn Monnika durch die Strassen von Goslar ging, streute die Bevölkerung Blumen auf ihren Weg und die letzten beiden Jungfrauen von Goslar flochten Heideröslein in Monnikas langes, braunes Haar.

Der Rat und die feministischen Weiber von Goslar waren sehr zufrieden, klopften sich abwechselnd auf die Schultern und beglückwünschten sich gegenseitig zu ihrer ausgezeichneten Wahl.

Doch dann geschah Seltsames. Monnika veränderte sich. Ihr Denken veränderte sich. Sie dachte plötzlich anders. Monnika dachte fortan auch an die Gleichstellung der Goslarer Männer. Was für ein unglaublicher Frevel! So war das doch nicht gemeint, das mit der Gleichstellung. Die feministischen Weiber von Goslar meinten, dass Monnika wohl der Fokus verrutscht war. Ach, hätte Monnika doch einen Optiker ihres Vertrauens aufgesucht und sich eine neue Brille anfertigen lassen.

Doch es kam wie es kommen mußte: Dem Rat und den feministischen Weibern von Goslar platzte der Kragen und Monnika wurde ihres Amtes als Gleichstellungsbeauftragte enthoben. Dieser „Kragenplatzer“ ging alsbald in die Geschichte ein als „Der Große Knall von Goslar“. Und dieser Knall war so laut, dass er ein großes mediales Echo hervorrief. Das wiederrum verärgerte den Rat und die feministischen Weiber von Goslar so sehr, dass sie Monnika auch noch die Leitung des städtischen Kindergartens entzogen, den sie mit fürsorglicher Hand geleitet hatte.

Nachdem man ihr alles genommen hatte, hielt Monnika nichts mehr in Goslar. So sattelte sie ihr Pferd und ritt in dunkler Nacht gen Braunschweig.

Bald war wieder Ruhe eingekehrt in der Stadt. Und die Goslarer konnten in Frieden ihre Lieblingsspeise, den Harzer Roller, verzehren und in stiller Andacht dem großen Sohn der Stadt, Karl Soost, Deutschlands letztem großen Trinker, gedenken.

An dieser Stelle könnte das rätselhafte Märchen aus dem Harz eigentlich zu Ende sein. Doch kaum war Monnika in Braunschweig angekommen und hatte ihr Pferd mit Hafer versorgt, drehte sie erst richtig auf. Sie wandelte sich vom Saulus zum Paulus, von der Feministin zur Anti-Feministin. Und irgendwann gebar sie den rätselhaften Satz:

„Es ist durchaus gerechtfertigt, dass Frauen weniger verdienen. Denn Frauen arbeiten auch 12 Stunden weniger“

Lange habe ich über diesen Satz nachgedacht. Doch ich kam zu keinem Ergebnis. So fragte ich Bob Dylan, die Beatles und Timothy Leary – doch auch sie wußten mir keinen Rat. Und so irre ich noch immer in meiner Küche herum und suche nach dem Sinn dieses seltsamen Satzes. Und wenn ich nicht …

Und so endet das Märchen aus dem Harz. Viele Fragen bleiben offen, viele schlaflose Nächte stehen mir noch bevor, bis ich endlich weiß, was Monnika gemeint hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s