Die Kirche als freier Träger

Mühlbach(Eppingen) Evangelische Kirche Klingelbeutel456

Klingelbeutel (By GFreihalter (Own work), CC-BY-SA-3.0)

Katholische Kindergärten, katholische Krankenhäuser, katholische Kinderheime, katholische Schulen, katholische Altenheime … In all diesen sozialen Einrichtungen ist die katholische Kirche der Träger. Doch was heißt das eigentlich? Erklär mir das mal Gunslinger.

„Ja also, das heißt, dass die katholische Kirche alles bezahlt. Die Angestellten, Renovierungen, Betriebskosten usw. Und auch die Gebäude, z.B. den katholischen Kindergarten, hat die Kirche gebaut. Deshalb heißt der Kindergarten auch katholischer Kindergarten. Die Kirche bezahlt das alles von der Kirchensteuer.“

Falsch Gunslinger, ganz falsch. Die katholische Kirche bezahlt weder die Angestellten, Renovierungen und die Betriebskosten, noch hat die Kirche den Kindergarten gebaut und bezahlt. Das zahlt alles die Allgemeinheit. Und wer ist die Allgemeinheit, Gunslinger? Du bist die Allgemeinheit, Gunslinger. Du bist Teil der Allgemeinheit (was für ein blödes Wort). Du zahlst treu und brav deine Steuern. Und damit auch den Kindergarten und seine Angestellten. Die Kirche selbst beteiligt sich nur mit 2 % bis maximal 12 % an den Kosten. Also meistens mit 2 % oder nix.

„Und warum heißt es dann katholischer Kindergarten?“

Weil die Kirche der Träger ist. Die Kirche hat den Kindergarten von der Stadt oder der Gemeinde übernommen. Und wenn die Kirche mal so einen Kindergarten trägt, dann passiert folgendes:

  • es gilt das katholische Arbeitsrecht
  • es gilt der spezielle Kirchentarif für die Angestellten

„Und was heißt das nun wieder?“

Bezogen auf den Kirchentarif heißt das: die Angestellten bekommen weniger Lohn und Gehalt, weil der Kirchentarif deutlich geringer ist als der Normaltarif. Das wiederum heißt: Die Stadt oder die Gemeinde spart sich was, nämlich einen Teil des Gehalts der Angestellten. Du erinnerst dich Gunslinger: Das Gehalt der Angestellten zahlt nicht die Kirche sondern … genau. Sehr gut, Gunslinger.

Was im kirchlichen Arbeitsrecht drin steht Gunslinger, das kannst du hier genau nachlesen. Aber vorab schon mal eine praktische Anwendung:

Die Leiterin eines katholischen Kindergartens wurde entlassen, weil sie sich von ihrem Mann hatte scheiden lassen und zu einem neuen Partner gezogen war. Damit war sie für die Kirche nicht mehr tragbar. Sie hatte gegen die Moralvorstellungen der Kirche verstoßen.

„Und woher weißt du das, du Schlauberger?“

Das weiß ich, weil ich den Film „Gott hat hohe Nebenkosten“ gesehen habe. Fernsehen bildet, Gunslinger. Also um das nochmal zu verdeutlichen: Städte und Gemeinden sparen sich was, wenn sie einen Kindergarten, eine Schule oder ein Krankenhaus an die Kirche übergeben (neudeutsch: Out-Sourcen).

„Und warum muss das die Welt gerade jetzt wissen?“

Weil ich das hier gelesen habe, Gunslinger. Ich finde das alles … sehr „moralisch“.

Ein Auszug aus dem kirchlichen Arbeitsrecht:

„… Das kirchliche Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsrecht wird von den christlichen Kirchen insbesondere in drei Richtungen ausgeübt:

  1. Für eine Mitarbeit in kirchlichen Einrichtungen wird von dem Mitarbeiter eine Übereinstimmung mit den kirchlichen Glaubens- und Moralvorstellungen erwartet. Ein Verstoß gegen diese Loyalitätspflichten zieht arbeitsrechtliche Konsequenzen – bis hin zur Kündigung – nach sich.
  2. Anstelle eines Betriebsrates oder Personalrates werden die kirchlichen Beschäftigten durch eine Mitarbeitervertretung an den betrieblichen Entscheidungen beteiligt.
  3. Die Löhne und anderen grundlegenden Arbeitsbedingungen werden überwiegend nicht im Rahmen von Tarifverhandlungen („Zweiter Weg“) oder einseitig vom Arbeitgeber („Erster Weg“) festgelegt, sondern durch Gremien, die paritätisch aus den Reihen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber besetzt werden. Arbeitskampfmaßnahmen (Streik und Aussperrung) seien, so die Kirchen, unvereinbar mit dem religiös fundierten Auftrag am Nächsten und werden deshalb ausgeschlossen.

Die Anwendung des Betriebsverfassungsgesetzes und der Personalvertretungsgesetze wird durch Regelungen in diesen Gesetzen ausgeschlossen. Anstelle dessen gelten die kirchlichen Mitarbeitervertretungsgesetze mit zum Teil deutlichen Abweichungen …“

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