Dimple oder Glenfiddich? – die Dienstagsfrage

Heute Morgen, auf dem Weg in die Arbeit. Es ist dunkel. Klar, morgens um Sieben ist es dunkel. Will hoffen, dass es bald heller wird. Wird langsam Zeit. Aber egal. Auf dem Weg in die Arbeit. Ein Gedanke erleuchtet plötzlich die Dunkelheit. Hell wie der lichte Tag: „Wenn ich einmal reich wär.“ Wenn ich einmal reich wär?

… Wenn ich einmal reich wär, dann würde ich mir einen Leuchtturm kaufen. Wenn ich zweimal reich wär, dann würde ich mir zwei Leuchtürme kaufen. Und wäre ich dreimal reich, dann würde ich mir eine Insel mit zwei Bergen und einem Leuchtturm kaufen. Genau, würde ich. Wenn ich ein-, zwei-, oder dreimal reich wär …

… Aber ich bin nicht reich. Ich bin nicht der Sohn eines Senators, ich wurde nicht mit einem silbernen Löffel im Maul geboren. Ich gehöre nicht zu den Auserwählten, ich gehöre nicht zur Elite. I ain’t me, no no, it ain’t me, I’m no fortunate one …

… Aber eines habe ich geschafft: Jedes Jahr schenkt man mir zum Geburtstag eine Flasche Dimple. Das ist doch was. Letztes Jahr mußte ich mich echt beeilen. Damit die alte Flasche leer ist bevor die neue kommt. Und einen Dimple, den trinkst du ja nicht einfach so. Ex und hopp. Hau wech die Scheiße. Da mußt du vorher duschen, dich rasieren und am besten auch noch die Beichte ablegen …

… Ich bin ja Purist. Whiskey trinke ich pur. Ohne Wasser, ohne Eis, ohne Cola. Ich glaube die Steigerung von Dimple ist Glenfiddich. Glenfiddich … da könnte ich jetzt stundenlang drüber filosofieren. Dimple oder Glenfiddich. Komm unter meine Fiddiche. Haha …

… Leuchttürme sind wichtig. Gerade in Zeiten wie diesen, wo es so viele dunkle Ecken gibt, wo so viele dunkle Schatten unterwegs sind. Auch im Netz könnte ein Leuchtturm nicht Schaden. Ein Orientierungspunkt, ein Licht in der Dunkelheit. Shine a Light on Me …

… Über Weihnachten habe ich was gelernt. In der ZDF-Kultursendung „Die Hochzeitsplaner“ habe ich gelernt, dass man Leuchtürme mieten kann. Komplett renoviert und eingerichtet. Oben, da wo (da wo?) zu des Leuchturms besseren Zeiten die Gaslampe brannte, da ist jetzt eine Einraum-Wohnung. Mit Kühlschrank und Naßzelle. Mit Sofa und Rundblick. Aber ohne Lift. Grandios …


Kaum hatte ich den Wenn-ich-einmal-reich-wär-Leuchtturm-Gedanken zu Ende gedacht, da materialisierte mit brachialer Wucht der nächste Gedanke in meinem Quadratschädel.

„I wish I was a millionaire
I’d play rock music and grow long hair
I tell you boys I’d buy a new Rolls Royce.“

… Da denkst du, du hast ausgedacht und dann kommt sowas daher. Aus heiterem Himmel. Eindeutig eine Assoziation. Da muss einer erstmal draufkommen. Dieser Gedankensprung, diese Kombination, diese Verlinkung meiner Speicherbänke. Von „Wenn ich einmal reich wär“ auf „I wish I was a millionaire …“. Ist das ein Zeichen von Intelligenz? Bin ich vielleicht sogar intellektuell? Und ich wußte es nur nicht? Bin ich vielleicht größer als ich dachte? Egal …

… I wish I was a millionair … Also einen Rolls Royce würde ich mir nicht kaufen. Nicht mal wenn ich reich wär. Ich würde mir einen VW-Bus kaufen. Mit drehbaren Vordersitzen und Over-Night-Paket. Am besten gleich einen VW-Bus California. Und dann raus und rein in die Glockenblumen.

„Pretty women’d come to me I’d give ‚em all the third degree
I’d give ‚em Satin Sheets to keep ‚em off the streets.“

… Gib schönen Frauen Satin Bettwäsche damit sie von der Strasse weg sind? Verstehe ich nicht. Mal nebenbei bemerkt: Ich würde den meisten Frauen eine Bahn-Card und Slip-Einlagen schenken. Fahren sie doch wohin sie wollen. Und einen Wartungsgutschein für ihre Tattoos und das sonstige Gehänge. Würde ich. Einigen wenigen würde ich Unterschlupf gewähren. Komm unter meiner Decke. Und danach gibts Whiskey – Dimple oder Glenfiddich …

… Wie sagte schon Oskar Heiler, seines Zeichens schwäbischer Filosof, Character-Darsteller und  Vierteles-Schlotzer: „Wer mich besucht der ehrt mich, wer mich nicht besucht der tut mir einen großen Gefallen.“ Recht hat er …

… Es begegnet einem ja so einiges im Leben, nicht nur Pretty women. Manchmal triffst du ausgemerkelte Gestalten auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Hagere, bleiche Gestalten. Den Blick stur nach vorne gerichtet. Und Augen wie glühende Kohlen. Einen Stohballen könnte man an diesen Augen entzünden. Ein Strohfeuer …

… Irgendwann treffen wir uns dann alle im „House of the Rising Sun“. Am Ende der Strasse. Und der Erich singt. Ein Rolls Royce parkt am Eingang. Und auch die Frauen mit der Bahn-Card und den Slip-Einlagen sind da. Und wir trinken Whiskey – Dimple oder Glenfiddich. Und tanzen und singen – im Bordell des Lebens.

Wish I was a millionaire …

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