Ein Nudelsieb, der Strom-Mix und der Ökostrom

Abgeräumt …
Es ist Sonntagabend. Zum Abendessen gab es Spaghetti mit Tomatensoße. Alle sind satt und geschmeckt hat es auch. Was will man mehr. Ich räume also das Geschirr in die Spülmaschine und sinniere dabei vor mich hin: Irgendwie ist die Aufgabenverteilung nicht richtig durchdacht. Ich koche und räume dann auch noch das Geschirr ab? Der Georg Ringsgwandl hat schon recht: „Auf der Bühne bin ich ein Star, daheim bei meiner Frau bin ich der Hausmeister“. Und ich bin zusätzlich noch der Koch und der Tellerwäscher. Da sollte man etwas ändern.

Es dämmert …
Das Nudelsieb spüle ich von Hand ab. Ich drehe den Einhandhebelmischer auf, und mit sattem Strahl rauscht das Wasser in das Nudelsieb und läuft durch die Löcher im Boden wieder ab. Und während ich beobachte, wie das Wasser abläuft, schweifen meine Gedanken ab. Plötzlich geht mir die deutsche Stromproduktion durch den Kopf. Komisch.

In der Spüle steht noch ein Teller. Ich stelle das Nudelsieb in den Teller. Ich reguliere den Wasserstrahl. Ja, genau so. Gerade so, dass der Boden leicht bedeckt ist. So funktioniert die Stromproduktion. Es wird immer genauso viel produziert, wie gerade abgenommen wird. Von den Haushalten und von der Industrie. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen weiß die Stromindustrie genau, um welche Tages- und Nachtzeit wieviel Strom benötigt wird. Und wenn doch mal zuviel produziert wird, kommt das in die Pumpspeicherwerke. Die werden ja demnächst mächtig ausgebaut. Auch wenn es gar keine Standorte gibt. Oder in riesige Akku’s. Die gibt’s aber auch noch nicht.

Zauberhaftes Nudelsieb …
Doch zurück zum Nudelsieb. Jedes Löchlein im Boden steht z.B. für einen deutschen Haushalt. Ich schaue mir das Nudelsieb genauer an … Shit! … es tropft. Und dann sehe ich, oh Wunder, dass einige der Löchlein grün umrandet sind. Aaah, denke ich mir, das sind also die Haushalte, die schon auf Ökostrom umgestiegen sind. Aha. Nun schalte ich den Wasserhahn um auf Brausebetrieb. Viele dünne Wasserstrahlen fließen jetzt in das Nudelsieb. Schön. Sehr schön. Mit diesen Wasserstrahlen aus dem Brausekopf könnte man doch hervorragend den deutschen Strom-Mix darstellen. Doch etwas fehlt noch: Ich muss die unterschiedlichen Energieträger, aus denen deutscher Strom erzeugt wird,  kennzeichnen. Farbe muss her. Und ich muß die Wasserstrahlen gruppieren. Mache ich. Mit ein bißchen Fantasie geht das schon. Auch das mit der Farbe muß ich mir vorstellen. Und auch die Zahl der Wasserstrahlen – sagen wir mal hundert. Hundert Wasserstrahlen = 100 Prozent Strom.

Übrigens, so machen die das auch an der Leipziger Strombörse. Da wird auch mit viel Fantasie und Farbe der Strom hin- und hergeschoben. Und wenn es sein muss, auch billig verscherbelt. Eben.

Gib mir hundert, oder Jeder kriegt ein Stück vom Kuchen …
Also, dann sind das:
25 Strahlen für den Strom aus Braunkohle. Die färbe ich braun.
19 Strahlen für den Strom aus Steinkohle. Die färbe ich schwarz.
18 Strahlen für den Atomstrom. Die färbe ich rot.
14 Strahlen für den Strom aus Erdgas. Die färbe ich dunkelbraun.
20 Strahlen für den Strom aus erneuerbaren Energien. Natürlich grün.

Nach Adam Riese und Eva Klein bleiben noch 4 Strahlen übrig für Strom aus sonstigen  Quellen.

Die Erkenntnis …
So, geschafft. Und jetzt schaue ich mal, was passiert. Denn eigentlich sollte jetzt das grüne Wasser (=grüner Strom) zu den grün umrandeten Nudelsieb-Löchlein fließen. Zielsicher. Tut es aber nicht. Es bildet sich am Nudelsiebboden eine Mischfarbe. Eine leicht aufgehellte schwarze Brühe. Nee, denke ich mir, das wird nichts. Die Mischfarbenbrühe fließt ja überall hin?

Was man weiß, was man wissen sollte …
Und in diesem Moment der Erleuchtung stelle ich mir die Frage: Wissen die Ökostromkunden, dass aus ihren Steckdosen die gleiche Strombrühe fließt wie beim Nachbarn, der seinen Strom von den Stadtwerken bezieht? Klar wissen die das. Da bin ich mir sicher. Niemand zahlt doch freiwillig mehr für das gleiche Produkt? Nur weil Öko drauf steht?
Und mal ganz nebenbei bemerkt: Jeder Stromkunde leistet eh schon seinen Obulus zur Föderung der erneuerbaren Energien. Zwangsweise. Mit jeder Kilowatt-Stunde, die ich verbrauche, „fördere“ ich die erneuerbaren Energien. Wieso? Weil die sogenannte Einspeisevergütung für die Erneuerbaren auf den allgemeinen Strompreis umgelegt wird. Das nennt sich dann Umlageverfahren und ist im „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) so geregelt.

Schöne virtuelle Welt …
Ich will den Ökostrom-Anbietern (Greenpeace Energy, Lichtblick AG, usw.) nun wirklich keine böse Absicht unterstellen. Deshalb gehe ich einfach mal davon aus, dass die Ökostrom-Anbieter sich an den Strombörsen tatsächlich ihren Ökostrom „zusammenkaufen“. Und dann zu 100 % Ökostrom in ihren Büchern stehen haben. Aber das ist eine rein virtuelle Angelegenheit. Wichtig ist doch letztendlich, was aus der Steckdose kommt. Und, und da beißt die Maus keinen Faden ab, das ist nun mal der deutsche Strom-Mix. Der ist natürlich regional unterschiedlich, klar.
Aber auch unter Berücksichtigung dieser Tatsache: Aus keiner Steckdose in Deutschland kommt 100 % Ökostrom. Und deshalb ist Ökostrom für mich Etiketten-Schwindel. Punkt.

Satirisches …
Ich werde mir auf jeden Fall demnächst einen Atomstromfilter für meine Steckdosen besorgen. Der nennt sich „NucleoStop“ und den gibts hier im Online-Shop.
http://www.nucleostop.de/

Grafisches …

Strommix-Deutschland Januar 2011
Strommix-Deutschland 2011

Die Öko-Stromer …
Eine sehr interessante Seite. Und ganz nahe an der Wahrheit …
http://www.oekostrom-anbieter.info/

Kostenlose Werbung …
Bei dem Nudelsieb handelt es sich um ein Edelstahl-Nudelsieb aus dem Hause WMF. Ich bin sehr zufrieden damit. Es sieht gut aus, ist pflegeleicht und faßt circa 500g al dente gekochte Nudeln. Das Kochwasser läuft zügig ab und … ja … ;-)
http://www.wmf.de/de_de/startseite.html

Und zum Schluß noch ein paar Tipps zum Thema Nudeln:
Bitte kein Öl in das Kochwasser geben. Das ist Quatsch. Das hat so ein dämlicher Fernsehkoch vor Jahrzenten in Umlauf gebracht. Erstens schwimmt Öl immer oben, und zweitens verklebt das Öl die Poren der Nudeln. Und erschwert damit die Soßenaufnahme. Diese Tipps stammen übrigens von Johann Lafer, Alfons Schuhbeck und Kolja Kleeberg. Bekannt, unter anderem, aus „Lanz kocht“. Kolja Kleeberg empfiehlt übrigens, pro 1 Liter Nudelwasser, 10g Salz zuzugeben. Ein bißchen viel, finde ich.

Und bitte die Nudeln niemals kalt abbrausen.  Dadurch wird die „Schmierschicht“, die sich beim Weichkochen gebildet hat, abgewaschen. Und das ist nicht gut.

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